Kultur im Ohlsenhaus 2017

Auch im Jahr 2017 präsentiert die Gemeinde Süderstapel in der Reihe „Kultur im Ohlsenhaus“ wieder ein attraktives Programm für Einheimische und Gäste.
Fünf Literaturveranstaltungen für Erwachsene und eine Lesung für Kinder werden angeboten, eine bunte Mischung aus spannenden, heiteren und gefühlvollen Erzählungen, beißender Satire und musikalischen Einlagen. Überregional bekannte Künstler sowie Schriftsteller und Musiker aus Schleswig-Holstein sind zu Gast im Ohlsenhaus, auch die plattdeutsche Sprache findet Berücksichtigung.

Das Programm im Überblick:

Donnerstag, 18.05. Lena Gorelik „Mehr Schwarz als Lila“, Musik: Boris Guckelsberger

Donnerstag, 15.06. Hans Scheibner „In den Himmel will ich nicht“

Donnerstag, 20.07. Frenz Bertram u. Kalle Johannsen „Sing man to! – Vertell man to!“

Donnerstag, 10.08. Franz Kratochwil und Peter Baumann
„Der unsterbliche Reich-Ranicki zu Gast im Ohlsenhaus“

Donnerstag, 07.09. Irmela Mukurarinda „Splitter“, Musik: Thomas Reichardt

Die Lesungen im Ohlsenhaus, Mühlenstraße 1, Süderstapel, beginnen jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 7,50 €. Eine Jahreskarte für alle fünf Veranstaltungen kann für 30 € erworben werden. Karten sind im Vorverkauf erhältlich in Friedrichstadt in der Buchhandlung Jan Stümpel, Am Fürstenburgwall 11.

Zusätzlich bietet die Gemeinde Süderstapel eine Lesung für die Stapelholmer Kinder an:

Dienstag, 04.07. Kirsten Boie „Thabo: Detektiv und Gentleman – Die Krokodilspur“
Beginn 16 Uhr, Eintritt 3,00 €

„Kultur im Ohlsenhaus“ wird unterstützt von der Nospa Kulturstiftung, von der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg und vom Förderverein Landschaft Stapelholm e.V.


Den Anfang macht am 18. Mai die junge Schriftstellerin und Journalistin Lena Gorelik.

Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland. Mit ihrem Debütroman „Meine weißen Nächte“ (2004) wurde sie als Entdeckung gefeiert, mit „Hochzeit in Jerusalem“ (2007) war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Ihr Roman „Die Listensammlerin“ (2013) wurde mit dem Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag ausgezeichnet. 2015 erschien „Null bis unendlich“, die „Welt am Sonntag“ schrieb: „Ein starkes, ein emotionales Buch, das durch seine reduzierte Sprache große Gefühle offenlegt.“

Foto: Charlotte Troll

In ihrem neuen Roman „Mehr Schwarz als Lila“ erzählt Lena Gorelik von einer überforderten 17-Jährigen, die der Welt mit Witz und einer Spur notwendigem Stolz gegenübertritt. Wie nebenher wirft sie Fragen auf – wie kann man Geschichte vermitteln, wie Erinnerung? Vor allem aber geht es ums Erwachsenwerden und um die komplizierten Bilder, die wir von uns selbst und anderen haben. Diesen packenden, jugendlich glühenden Roman wird die Autorin im Ohlsenhaus vorstellen.

Für die Zwischenmusik sorgt der Gitarrist und Komponist Boris Guckelsberger.


Weiter geht es am 15. Juni mit dem prominenten Satiriker, Liedermacher und Autor
Hans Scheibner, geboren 1936 in Hamburg.

„Das macht doch nichts, das merkt doch keiner“ – „Das Fließband“ – „Schmidtchen Schleicher“. Der Hamburger Kabarettist Hans Scheibner verfasste legendäre Songtexte. Als Liedermacher mit engagierten Songs wie „Achterndiek“ stand er mitten im Kampf gegen die Kernkraftwerke vor Hunderten von AKW-Gegnern – mit der Ballade von „Lysistrata“ versetzte er in der NDR Talkshow die Bundeswehrgeneräle in Aufregung und seine Sendung „scheibnerweise“ wurde abgesetzt. Als Autor und Kabarettist begeistert er ein großes Publikum mit Geschichten, Glossen, Szenen, Gedichten. Er gilt als Urgestein – ein Klassiker in der Kabarettgarde. In den politischen Irrsinn seiner Zeit mischt er sich immer wieder ein. Nie war er bequem – mehrmals kam es wegen seiner scharfzüngigen Texte zum Eklat.

Foto: Det Kempke

Hans Scheibner liest in Süderstapel aus seiner Biografie „In den Himmel will ich nicht“ und zeigt uns auf seine einzigartige doppelsinnige Weise Ausschnitte aus seinem Leben, von seiner Kindheit bis heute. Eine Lesung der
besonderen Art — typisch Hans Scheibner eben!


Am 4. Juli liest die bekannte Kinderbuchautorin Kirsten Boie im Ohlsenhaus.

Kirsten Boie, Jahrgang 1950, studierte an der Universität Hamburg Deutsch und Englisch und schloss mit dem Staatsexamen ab, bevor sie in Literaturwissenschaft über die frühe Prosa von Bertolt Brecht promovierte. Von 1978 bis 1983 unterrichtete sie an verschiedenen Schulen in Hamburg. Nach der Adoption ihres ersten Kindes gab sie die Lehrtätigkeit auf und fing an zu schreiben. 1985 erschien ihr erstes Buch „Paule ist ein Glücksgriff“, das sofort ein Erfolg wurde.

Beliebt sind vor allem zahlreiche von ihr verfasste Reihen wie „Möwenweg“, „Lena“, “Juli“, “Seeräubermoses“ oder „King-Kong“. Sie hat rund 100 Bücher veröffentlicht, die in diverse Sprachen übersetzt wurden. Viele ihrer Texte erschienen als Audiofassungen.
Ihre Reihe „Ritter Trenk“ wurde als Zeichentrick-Serie und Kinofilm adaptiert. „Wir Kinder aus dem Möwenweg“ lief als Animationsserie bei KiKa.

Foto: Indra Ohlemutz

„Die Krokodilspur“ ist der zweite spannende Fall für Kirsten Boies liebenswerten Detektiv und Gentleman Thabo: Die kleine Delighty ist spurlos verschwunden. Ist sie etwa den Krokodilen zum Opfer gefallen? Thabo und seine Freunde stehen vor einem großen Rätsel. Zudem stellt sich bald heraus, dass noch drei weitere Kinder vermisst werden! Thabos erster Fall ist Preisträger des Leipziger Lesekompass.


„Sing man to! – Vertell man to!“

Am 20. Juli folgt ein plattdeutscher Abend von und mit Frenz Bertram und Kalle Johannsen. Mal nachdenklich, mal humorvoll erzählen und singen sie im Wechsel ihre Geschichten und Lieder über Land und Leute Nordfrieslands.

Frenz Bertram ist einer der renommiertesten
Autoren von plattdeutschen Theaterstücken und
Erzählungen im niederdeutschen Sprachraum.
Im Jahre 2014 wurde er mit dem „Niederdeutschen Preis der Stadt Kappeln“ ausgezeichnet, 1998 erhielt er den 1. Preis im Schreibwettbewerb „Vertell doch mal“ des Norddeutschen Rundfunks.

Fotos: privat (rechts) / Dr. Martin Sadek (unten) Kalle Johannsen ist Mitglied der Dragseth Folkband und wurde gemeinsam mit Manuel Knortz u. a. mit dem „Bad Bevensen-Preis“ im Jahre 1990 für die Interpretation niederdeutscher Musik ausgezeichnet sowie 2008 mit dem „Momsen-Preis“, dem Kulturpreis des Kreises Nordfriesland.

 


„Der unsterbliche Reich-Ranicki zu Gast im Ohlsenhaus“

Sie dachten, Marcel Reich-Ranicki sei schon lange tot? Überzeugen Sie sich vom Gegenteil. Er lebt, und wie! Am 10. August spricht Deutschlands Kulturkritiker Nr. 1 im Ohlsenhaus mit einem Redakteur der „Stapeler Rundschau“. Der Themenbogen spannt sich von Goethe über Grass und Walser bis zu Schulz und Merkel, von der Bild-Zeitung bis zum Deutschen Schlager. Nichts, was die Menschen bewegt, wird ausgelassen. Mit seinem unnachahmlichen rollenden R kritisiert er überforderte Autoren, Politiker, TV-Manager und andere öffentliche Versager.

Foto: Werner Barz

 

Ein Abend voll Witz und Ironie mit Peter Baumann als Reich-Ranicki und Franz Kratochwil als Redakteur der „Stapeler Rundschau“.

Franz Kratochwil ist Vollblutschauspieler aus Wien, der 16 Jahre lang am Schleswig-Holsteinischen Landestheater engagiert war und jetzt freiberuflich als Schauspieler und Autor in Schleswig tätig ist. Sein Partner Peter Baumann ist Schriftsteller, Filmemacher und Musikproduzent. Zwei seiner Schauspiele mit Musik, „Mythos Marilyn“ und „Mythos Billie Holiday“ wurden 2014 und 2015 am Schleswig-Holsteinischen Landestheater uraufgeführt. Er lebt in Berlin und Ellingstedt.


Zum Abschluss der diesjährigen Reihe kommt die Schriftstellerin Irmela Mukurarinda am 7. September ins Ohlsenhaus.

Irmela Mukurarinda, Jahrgang 1949, hat ihre Kindheit in Sachsen und Brandenburg verbracht. Als Pfarrerskind war sie gewissermaßen per Geburt in der Opposition zum Staat. Nach dem Studium der Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin (Ost) erreichte sie nach langjährigem Kampf ihre Ausreise in den Westteil Berlins. Als Pastorin arbeitete sie dort sowie in Österreich und Brandenburg.

Foto: privat

Ihr ungewöhnlicher Nachname ergab sich aus einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte, die sie diesen afrikanischen Namen annehmen ließ. Heute lebt sie als freie Autorin in Horstedt, Nordfriesland.

Im Oktober 2016 ist ihr Kurzgeschichtenband „Splitter“ erschienen, aus dem sie in Süderstapel lesen wird. Leichen in der Kunstwerk-Installation, pragmatische Beerdigungen, dilettantische Fluchtversuche oder ideologische Diskussionen auf dem Kirchhof – die Texte Irmela Mukurarindas entlarven genüsslich den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Spannend, humorvoll, gleichwohl mit einem tragischen Unterton.

Für die musikalische Begleitung sorgt Thomas Reichardt aus Süderstapel.